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Worauf kommt es bei einer guten Arbeitsbeziehung an?

In diesem Blog sprechen Mark Cheetham, COO der Schweizer Übersetzungsagentur SwissGlobal Language Services AG, und Marie-Odile Domzalski, eine auf den Schweizer Markt spezialisierte freiberufliche Übersetzerin, über ihre Zusammenarbeit und die Merkmale einer erfolgreichen Geschäftsbeziehung. Fiona Merwood, Senior Marketing Executive bei SDL, führt das Gespräch.

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FIONA: Seit wann arbeiten Sie zusammen?

MARIE-ODILE: Seit fünf Jahren. Gestern war gewissermaßen unser Jahrestag, denn unsere Zusammenarbeit begann im März 2012.

MARK: Wir haben beide als Praktikanten bei einem früheren Arbeitgeber angefangen.

FIONA: Können Sie ein Beispiel für eine Situation geben, in der Sie beide gemeinsam eine Herausforderung gemeistert haben?

MARK: Oh ja! Das ist meiner Meinung nach einer der Gründe, warum wir so gut zusammenarbeiten.

MARIE-ODILE: Ich habe den Eindruck, wir denken an denselben Kunden! Wir mussten jedes Jahr den Finanzbericht eines besonders anspruchsvollen Kunden übersetzen, und ich weiß noch, dass Mark und ich mehrmals täglich über das Projekt gesprochen haben. Erinnerst du dich daran, Mark?

MARK: Ja, genau. Es war in der Tat ein Finanzbericht, mit dessen Übersetzung wir jedes Jahr beauftragt wurden. Wir mussten dabei für mehrere Sprachen ein hohes Arbeitsvolumen und knappe Liefertermine koordinieren. Dazu kommen Probleme mit Terminologie und Konsistenz sowie eine Vielzahl von Beteiligten, darunter die mit der Bearbeitung der Grafiken beauftragte Agentur, externe Anbieter sowie verschiedene Abteilungen, die sich die Übersetzungen ansehen müssen, um sicherzustellen, dass die Finanzdaten am Ende korrekt sind. Marie-Odile arbeitete an der Übersetzung ins Französische und übernahm auch das Korrekturlesen einiger von anderen Freiberuflern übersetzten Dateien, wenn ich mich recht erinnere. Sie hat nicht nur hochwertige Übersetzungen und Korrekturen geliefert, sondern war auch sehr flexibel und kreativ, als sich rausstellte, dass einige Absätze gekürzt werden mussten, damit sie ins Layout passten. Ihre Flexibilität und Reaktionsschnelligkeit waren wirklich beeindruckend. Am wichtigsten für mich war jedoch, dass es jemanden gab, mit dem ich über die Herausforderungen sprechen konnte. Manchmal braucht man eben einfach ein offenes Ohr! Mit Teamwork und einem guten Teamgeist geht alles gleich viel einfacher.

MARIE-ODILE: Auch für mich war es wichtig, bei einem so schwierigen Projekt in Mark einen Ansprechpartner zu haben. Am besten war allerdings, dass der Kunde am Ende zufrieden war. Ein tolles Team, ein tolles Ergebnis.

FIONA: Erzählen Sie doch bitte noch ein wenig über das Projekt.

MARK: Es gab noch einen anderen Aspekt. Bei dieser Art von Herausforderung sollte man das Potenzial der zur Verfügung stehenden Technologie voll ausschöpfen. Wenn man beispielsweise mitten im Projekt neue Dateien bekommt, aktualisiert man das TM, um den bereits übersetzten Text einzulesen, und wendet das TM auf die neue Dateien an. So muss man nicht wieder ganz bei Null anfangen. Wir bei SwissGlobal arbeiten mit SDL Trados GroupShare. Damit lassen sich Projekte leicht auf mehrere Übersetzer aufteilen, die jeweils die ihnen zugewiesenen Dateien bearbeiten, aber im Hintergrund alle auf dieselben Ressourcen zugreifen. Natürlich gibt es noch andere hilfreiche Technologien.

FIONA: Wie hält man eine gute Arbeitsbeziehung aufrecht?

MARIE-ODILE: Meiner Meinung nach ist Transparenz sehr wichtig. Wenn der Projektmanager gestresst ist, weiß ich es zu schätzen, wenn er mir gegenüber offen damit umgeht. Auch Respekt ist sehr wichtig. Die Kommunikation sollte von beiden Seiten ehrlich sein, damit eine echte zwischenmenschliche Beziehung aufgebaut werden kann.

MARK: Ich stimme Marie-Odile zu. Auch ich bin für Transparenz und Offenheit. Wenn ein Übersetzer nicht ehrlich zu mir ist, habe ich das Gefühl, ihm nicht vertrauen bzw. ihn nicht respektieren zu können. Bei Problemen mit dem Text oder dem Liefertermin sollte mir so bald wie möglich Bescheid gegeben werden. Wenn dies nicht geschieht und der Liefertermin ohne jegliche Kommunikation vom Übersetzer verstreicht, fällt es mir schwer, ihm ihn Zukunft zu vertrauen. Ich bin daher auch der Meinung, dass eine ehrliche Kommunikation die Grundvoraussetzung für eine gute Beziehung ist. Es ist außerdem wichtig, sich bewusst zu sein, dass an jedem Punkt des Übersetzungsprozesses echte Menschen beteiligt sind. Kommunikation ist der zentrale Faktor jeder Beziehung. Man muss sich darüber im Klaren sein, dass jeder mal unter Stress steht oder einen guten oder schlechten Tag hat. Am besten ist es, wenn man sich vor Augen hält, dass wir alle nur Menschen sind und dass man andere so behandeln sollte, wie man von ihnen behandelt werden möchte.

MARIE-ODILE: Ganz genau.

FIONA: Fühlen Sie sich bei den Agenturen, für die Sie arbeiten, als Teil des Teams?

MARIE-ODILE: Leider nicht bei allen Übersetzungsagenturen, aber bei den meisten schon, weil ich mich immer darum bemühe, langfristige Beziehungen aufzubauen. Bei den Agenturen, für die ich schon seit vielen Jahren arbeite, fühle ich mich als Teil des Teams, auch wenn meine Position nicht mit der eines internen Übersetzers vergleichbar ist. Man wünscht sich zum Beispiel gegenseitig einen guten Morgen oder erkundigt sich danach, wie das Wochenende des anderen war.

FIONA: Wenn Sie ein neues Projekt erhalten, fordern Sie dann genauere Informationen an, um sich ein besseres Bild zu verschaffen, oder treffen Sie eigene Entscheidungen, um das Projekt möglichst schnell abzuschließen?

MARIE-ODILE: Ich bin die Art von Übersetzer, die Fragen stellt. Wenn ich unsicher bin oder mir etwas nicht klar ist, frage ich lieber nach, als einfach blind draufloszuarbeiten. Wenn eine Anweisung nicht eindeutig ist, lohnt es sich auf jeden Fall, nachzuhaken, denn ansonsten muss man am Ende alles noch mal überarbeiten. Ich möchte auch nicht, dass dem Projektmanager durch mich zusätzliche Arbeit entsteht.

FIONA: Gibt es weitere Aspekte, die für eine erfolgreiche Geschäftsbeziehung von Bedeutung sind? Zum Beispiel der Einsatz verschiedener Tools?

MARK: Dieser Aspekt ist heutzutage sehr wichtig. Wenn man ausschließlich für Privatkunden arbeitet, kommt man ohne ein CAT-Tool aus. Wenn Sie jedoch wie SwissGlobal mit Unternehmenskunden zusammenarbeiten, die riesige Translation Memorys (TM) und Terminologiedatenbanken (TB) einsetzen und hohe Erwartungen haben, spielt Konsistenz eine entscheidende Rolle. Um die Qualität liefern zu können, die der Kunde verlangt und für die er auch zahlt, muss man einfach die verfügbare Technologie nutzen. Vor etwa fünf oder sechs Jahren hörte man viele Übersetzer sagen: „Ich werde niemals mit einem CAT-Tool arbeiten. Mein Gehirn leistet mir hervorragende Dienste als Translation Memory/Terminologiedatenbank.“ Mittlerweile haben diese Übersetzer jedoch gemerkt, dass CAT-Tools in Bezug auf Produktivität und Qualität große Vorteile mit sich bringen und dass man sie sich zunutze machen kann. Dies ist umso wichtiger, da die Erwartungen von Kunden enorm gestiegen sind. Bei Verwendung eines CAT-Tools verbessern sich sowohl Qualität als auch Konsistenz. Ich konnte nie ganz nachvollziehen, warum einige Übersetzer Technologie ablehnen. Sie hatten wohl Angst, dass ihre Preise nach unten gedrückt werden, weil sie mit Projekt- und Vendor-Managern über Kontext- und PerfectMatches diskutieren mussten. CAT-Tools bieten aber wie gesagt auch deutliche Produktivitäts- und Qualitätsvorteile. Und das ist noch nicht alles. Mit CAT-Tools lassen sich zum Beispiel auch InDesign- oder XML-Formate bearbeiten, ohne dass man über die eigentliche Software verfügt. Der DTP-Aufwand im Anschluss an die Übersetzung ist somit sehr gering. Ich bin fest davon überzeugt, dass ein guter Übersetzer sich mit Technologie auskennen sollte, denn sie ist heutzutage einfach unverzichtbar.

MARIE-ODILE: Auch für mich haben CAT-Tools einen festen Platz in der Zukunft. Man muss sie verwenden, wenn man in dieser Branche überleben will, und man muss mit der Entwicklung mitgehen.

Herzlichen Dank an Mark und Marie-Odile für dieses Gespräch.

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