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Die vielen Gesichter eines Projektmanagers

Die Welt der Sprachdienstleistungen ist in den letzten Jahren unglaublich angewachsen. Wer sich in diesem Umfeld behaupten will, muss flexibel sein, sich immer neue Kenntnisse aneignen und viele verschiedene Rollen annehmen.

Die wichtigsten Personen in diesem Lokalisierungsuniversum sind: der Übersetzer (ob freiberuflich oder intern beschäftigt) – quasi der Hauptdarsteller; der (direkte oder indirekte) Kunde – als Auftraggeber, der die Übersetzungen global streuen will; und schließlich die Übersetzungsagentur (für eine oder mehrere Sprachen) – der Mittelsmann, der den gesamten Ablauf mit einer Reihe verschiedener Fachleute dirigiert.

Der Lokalisierungsmanager ist meistens, wenn auch nicht immer, in den Übersetzungsagenturen zu finden.

Wer also ist dieser Projektmanager für die Lokalisierung? Und was gehört heute zum Projektmanagement?

Kurz gesagt ist der Projektmanager der Dirigent, der den gesamten Prozess in der Hand hat und für alle Aspekte der Lokalisierung verantwortlich ist.

Eine Branche im Wandel

Früher waren Projektmanager kaum mehr als „Briefboten“: Üblicherweise nahmen sie einen Übersetzungsauftrag entgegen, untersuchten ihn nach festgelegten Parametern (Textsorte, Sprachkombination, Kostensatz, Liefertermin), gaben ihn an die verschiedenen Beteiligten weiter (Übersetzer, Korrekturleser, Revisor) und lieferten ihn dann wieder an den Kunden zurück. Aber das sind fast prähistorische Zustände, die inzwischen von einer Reihe von Entwicklungen abgelöst wurden, die das Projektmanagement komplett revolutioniert haben.

Die wirkliche Welt bewegt sich fast so schnell wie die virtuelle, und neue Technologien lassen alle Grenzen hinter sich: Alles ist heute möglich, und jeder hat Zugriff darauf. In diesem täglichen Strudel müssen Projektmanager sich über Wasser halten und sich verschiedene Überlebenstechniken aneignen, damit sie nicht untergehen. Je besser sich Projektmanager in ihrem Fach spezialisieren, desto mehr Einfluss haben sie auf den Erfolg und die Qualität der Projekte und damit auf die Kundenzufriedenheit.

Der Diplomat

Die heutigen Projektmanager sind vor allem Diplomaten, denn sie müssen jederzeit den richtigen Ton treffen (meistens auf Englisch). Häufig sind sie der einzige Kontaktpunkt zwischen Kunden, Übersetzern, Korrekturlesern, Technikern, Buchhaltung und anderen Beteiligten. Sie müssen genau darauf achten, was sie schreiben und vor allem, wie sie sich dabei ausdrücken: Die Korrespondenz muss klar und deutlich und auf den jeweiligen Empfänger zugeschnitten sein, denn die Kommunikation findet im Großen und Ganzen schriftlich statt, und sie bestimmt die Art der Beziehung.

Der Vermittler

Gute Projektmanager wissen, dass sie ständig vermitteln (und dabei oft über den eigenen Schatten springen) müssen, um ihre Beziehung zum Kunden auf der einen und dem Übersetzungsteam auf der anderen Seite nicht zu gefährden. Während sie manchmal bestimmt auftreten und laut und deutlich werden müssen, treten sie in anderen Fällen als Sprecher auf, der einer Seite den Standpunkt der anderen klarmachen muss.

Der Psychoanalytiker

Heutige Projektmanager sind eine Art Psychoanalytiker, der jeden Aspekt sorgfältig analysieren muss. Zunächst einmal die praktischen, also die Art des Ausgangstextes, das Thema, das erforderliche CAT-Tool, den Zeitablauf und das Budget – mit allen Schwierigkeiten und Auswirkungen, die sich daraus ergeben. Ist diese anfängliche Analyse abgeschlossen, steht das Ziel fest und muss eingehalten werden. Und an diesem Punkt scheiden sich die guten von den besten Projektmanagern. Echte Profis wissen, dass eine genaue Kenntnis ihrer Kunden und Lieferanten unverzichtbar ist. Dazu müssen sie den Charakter ihres Gegenübers (das oft am anderen Ende der Welt sitzt) genau studieren, ohne diese Person je gesehen zu haben. Sie tasten sich vorsichtig vor, um festzustellen, wie weit sie gehen können: Informelle Sprache, ein Telefongespräch oder ein Emoji in einer E-Mail können die Kommunikation mit aufgeschlosseneren Menschen auflockern, während bei anderen Geschäftspartnern kurze und knappe E-Mails ohne Schnörkel nötig sind, um sich zu verständigen.

Dank der vielen Möglichkeiten, die Remote-Arbeit heute bietet, haben Projektmanager auch oft mit freiberuflichen Übersetzern zu tun, die irgendwo auf der Welt leben und mit ihren eigenen Herausforderungen kämpfen, welche die Selbstständigkeit mit sich bringen kann. Oft müssen diese Übersetzer mit dem Projektmanager kommunizieren, um Fragen zu klären oder um einfach nur zu plaudern. Der Projektmanager bietet eine Lösung an (oder hört einfach nur geduldig zu) und schließt das Gespräch ab wie ein Psychotherapeut, der nach einer Stunde die Sitzung beendet.

Zum Projektmanagement gehören daher viele verschiedene Rollen – manche sind ganz klar definiert, andere eher undefinierbar. Und kein Tag ist wie der andere. Projektmanager sind ständig im Stress, aber das kann auch ein Ansporn sein, um täglich seine Grenzen auszureizen, im Beruf und menschlich gesehen. Sie können zusehends mehr erreichen und sich selbst und ihre Arbeitsabläufe neu definieren. Je nach den jeweiligen Anforderungen können sie jeden Prozess revolutionieren, standardisieren oder automatisieren.

Ihre Arbeit reflektiert eine Branche, die ständigen Veränderungen unterworfen ist.

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